Episode 2: 043. Dying – Sterbend

Seine Lippen lagen an ihrem Hals, seine Zähne durchstachen die empfindliche Haut und als er begann, ihr das Blut auszusaugen, wünschte sie sich, dieser Moment würde nie vergehen. Die saugenden und schmatzenden Geräusche hallten in ihren Ohren wider und sandten Stromstöße durch ihren Leib. Dieses Gefühl, wie ihr der Lebenssaft entzogen wurde, war ein übermächtiges. Ein Kribbeln nach dem anderen durchfuhr sie. Am liebsten hätte sie die ganze Zeit geschrien vor Lust, doch sie wurde durch die Macht des Vampirs, in dessen Armen sie lag, gedämpft.

Er hielt sie fest in seinen Armen, das Gesicht an ihren Hals gepresst. Sie konnte nicht entkommen, da sein Griff um ihre Taille so stark war, dass sie sich keinen Zentimeter rühren konnte. Selbst wenn sie gewollt hätte, weglaufen war ihr nicht möglich.

Sie wusste, dass sie sich gegen ihn wehren sollte, aber ihr Wille wurde von einer überirdischen Kraft gesteuert, die sie sich ganz dem Wesen der Nacht, das sie umklammert hielt, hingeben ließ. Ihre Angst war in diesem Moment vergessen gewesen, als sie zum ersten Mal in seine Augen gesehen hatte. Diese eiskalten und gleichzeitig so verführerischen leuchtend grünen Iriden hatten ihre Sinne benebelt.

Sie war ihm vollkommen ausgeliefert.

Und jetzt lechzte sie danach, dass er nie wieder aufhören möge. Sie wünschte sich, dass er seine Zähne niemals aus ihr herausziehen würde.

Doch das Ende kam unaufhaltsam näher.

Neben den Glücksgefühlen, die ihr Körper immer noch aussandte, bemerkte sie, wie sie langsam schwächer wurde. Ihr Kopf sackte immer wieder nach hinten gegen die Hauswand und ihre Lider wurden zunehmend schwerer.

Sie hatte keine Kraft mehr die Arme zu heben, geschweige denn sich an dem Vampir festzukrallen.

Er saugte sprichwörtlich das Leben aus ihr heraus.

Aber dennoch gefiel ihr, was er mit ihr tat. Sie erfreute sich daran, dass er sie gefangen hielt, sie mit seinem muskulösen Körper umgab, seine glänzenden, weißen und spitzen Eckzähne in ihrer Vene versenkt hatte, aus der er das rote Elixier schlürfte … und sie dabei langsam der Dunkelheit entgegenführte.

Allein das Wissen, dass sich der Vampir durch ihr Blut ernährte, dass sie es war, die ihn kräftigte, erfüllte sie mit Stolz. Das kleine Stimmchen, welches vor Kurzem noch panisch gerufen hatte: „Sei vorsichtig!“, war in einen Käfig eingesperrt und kauerte ängstlich darin. Anstelle von Angst flehte ihr Leib nach immer mehr Berührungen, die ihr so lange verwehrt gewesen waren, nach noch mehr Nähe. Dass sie dabei ihr Leben verlieren würde, war ihr beinahe schon egal.

Er gab ihr auf eine bizarre Art und Weise das Gefühl, als wäre sie etwas Besonderes, als wäre sie das einzige, was er jetzt bräuchte und das nur sie ihm geben konnte. Sie war nicht in der Lage dazu, sich ihm zu verwehren, es war wie ein Zwang.

Ihr Herz schlug immer schneller und begann zu rasen. Ob es vor Aufregung war oder von etwas anderem kam, konnte sie nicht genauer definieren. Sie spürte nur, wie die Geschwindigkeit sich erhöhte. Der Blutverlust tat sein Übriges dazu bei, das Herz war nicht mehr in der Lage genug Volumen in die Arterien zu pumpen und würde bald seinen allerletzten Schlag tun, wenn nicht noch ein Wunder geschehen würde.

Das einzige, was sie vielleicht retten könnte, wäre, wenn der Blutsauger genau in diesem Moment von ihr ablassen würde.

Doch im Grunde wollte sie das gar nicht.

Es war einfach zu atemberaubend, wie er an ihrer Vene hing und diese ganzen fremdartigen Emotionen in ihr auslöste.

Sie verlor zwischenzeitlich immer wieder das Bewusstsein, wurde aber ständig durch das erneute Ziehen an ihrer Vene geweckt.

Ein wenig später – es kam ihr vor wie Stunden, doch sie wusste nicht, ob es nicht vielleicht nur Minuten gewesen waren – fühlte sie, wie er ihre Gedanken wieder freigab. Heftige Panik stieg in ihr empor, doch sie war zu schwach, um sich zu rühren. Sie wollte am liebsten schreien, jedoch fehlte ihr auch dazu die Kraft. Sie konnte sich noch nicht mal an ihn krallen oder wenigstens versuchen, ihn wegzudrücken.

Die Schmerzen des Bisses waren plötzlich unerträglich. Sie spürte das Pieken der scharfen Zähne in jeder einzelnen Faser ihres Körpers, es durchfuhr sie wie ein gruseliger Schauer. Die Qualen waren allgegenwärtig, sie konnte an nichts anderes mehr denken, als daran, wie dieses Monster sich an ihr labte und ihr Blut trank.

Hilflos hing sie in seinen Armen und versuchte sich mit kaum sichtbaren Bewegungen aus seiner Umarmung zu befreien, aber jeglicher Versuch war zwecklos. Sie war kraftlos und im wahrsten Sinne des Wortes ausgelaugt. Wahrscheinlich würde er ihre Versuche noch nicht einmal bemerken. Sie selber nahm ihre eigenen Bewegungen ja kaum wahr.

Sie konnte nicht einmal mehr weinen, so ausgezehrt war sie.

Plötzlich spürte sie die rettende Schwärze, die die Ruhe wieder einkehren lassen würde, immer näher kommen. Nur noch ein Fitzelchen Leben befand sich in ihr.

Sekunden später verlor sie das Bewusstsein für immer.

Episode 3

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